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Culture

Little Richard: I Am Everything — Die Gospel-Wahrheit über einen Rock-Pionier

Eine neue Dokumentation stellt Little Richards queere Identität ins Zentrum der Rock-Geschichte. Notwendig, überfällig und jetzt im Streaming verfügbar.

RainbowNews Redactie9. Mai 2026 — International3 Min. Lesezeit
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Little Richard erfand Rock and Roll. Dann löschte die Geschichte seine Queerness aus dieser Geschichte. Little Richard: I Am Everything stellt sie zurück. Die Dokumentation von Lisa Cortés erschien 2023. Sie ist jetzt überall im Streaming verfügbar. Angesichts der Debatten über queere Auslöschung ist dieser Film dringender denn je.

Die Geschichte: Mehr als eine Musiklegende

Richard Wayne Penniman wurde 1932 in Macon, Georgia geboren. Er wuchs als schwarzer, armer, queerer Mensch auf. Sein Klavierstil und seine Bühnenenergie veränderten die Musik für immer. Doch Jahrzehnte lang ignorierte die Rock-Geschichte ihn. Weiße Künstler wie Elvis Presley bekamen den Ruhm. Richard wurde übersehen.

Diese Dokumentation korrigiert das. Cortés trennt Richards Queerness nicht von seinem Genie. Sie gehören zusammen. Seine Ausgelassenheit, sein Geschlechter-Spiel — das waren keine Nebennoten. Das war der Motor. Der Film macht das deutlich und ohne Entschuldigung.

Die Dokumentation dauert 97 Minuten. Sie verbindet Archivmaterial, neue Interviews und Musikanalyse. Wissenschaftler, Musiker und Freunde von Richard sprechen. Questlove, Merry Clayton und Tom Jones treten auf. Auch Experten für schwarze Musikgeschichte sind dabei.

Wie sie entstand

Lisa Cortés produzierte auch All In: The Fight for Democracy. Sie versteht, wie Geschichten erzählt werden. Sie kennt auch, wer vergessen wird. Ihr Ansatz ist durchdacht und intelligent. Sie erklärt nicht zu viel. Richard spricht selbst — durch Interviews und Auftritte.

Das Archivmaterial ist außergewöhnlich. Seltene Konzertaufnahmen zeigen Richard in voller Kraft. Der Schnitt ist energisch, nicht chaotisch. John Legend half als Produzent, die Rechte zu sichern. Der Soundtrack allein ist den Film wert.

Cortés macht eine kluge Wahl: Sie verbindet Richards Geschichte mit jüngeren schwarzen queeren Künstlern. Diese erzählen, was Richards Existenz für sie bedeutete. Das funktioniert. Es verbindet Vergangenheit und Gegenwart natürlich. Es verleiht auch emotional Gewicht.

Was fehlt, ist die Auseinandersetzung mit seinen Widersprüchen. Richard selbst verdammte Homosexualität und kehrte zur Kirche zurück. Die Dokumentation erwähnt das, aber vorsichtig. Diese Spannung verdient schärfere Untersuchung. Das ist eine verpasste Chance.

Gesellschaftlicher Kontext: Wem gehört Rock-Geschichte?

Der Film kommt zu einem wichtigen Moment. Gespräche über Anerkennung, Sichtbarkeit und Auslöschung sind laut. Rock and Roll basiert auf schwarzer amerikanischer Musik. Das ist Fakt. Doch Museen und Schulbücher erzählen weiße männliche Geschichten.

Richards Queerness fügt eine Ebene hinzu. Er stand 1950 an der Schnittstelle von Rasse und Sexualität — ein gefährlicher Ort. Sein Überleben erforderte gleichzeitig Performance und Verheimlichung. Die Dokumentation zeigt, wie das seine Kunst formte.

Das zeigt ein breiteres Muster. Queere Figuren werden für Talent erinnert, ihre Identität vergessen. Manchmal rechtfertigt man das mit ihren eigenen Worten — wie bei Richards späteren religiösen Aussagen. I Am Everything hinterfragt diese oberflächliche Lesart eines komplexen Lebens.

Queere Sichtbarkeit in Medien wird gefeiert und politisch angegriffen. Ella Morgan wurde erste trans-Person in Celebrity SAS — weil Repräsentation immer noch Nachricht ist. Dieser Logik — Fortschritt gemessen in ersten Malen — widerspricht dieser Film. Richard war vorher hier. Vor Jahrzehnten. Warum dauerte es so lange?

Eine Gesetzesvorlage wollte Geschlechtsumwandlungen einschränken und LGBTQ+-Schutz abbauen. In diesem Klima ist dieser Film nicht neutral. Er ist eine Aussage. Eine ruhige, faktische, gut gemachte Aussage.

Stärken und Schwächen

Die größte Stärke ist, nicht zu vereinfachen. Richard war Visionär, Heuchler, Überlebender und Genie. Cortés hält alles fest. Der Film verlangt nicht, ihn zu vergeben. Er verlangt, ihn zu sehen.

Die visuelle Sprache ist manchmal zu sicher. Sprechende Köpfe dominieren die Mitte. Eine Dokumentation über jemanden so Theatralisches verdient mehr Risiken. Der Film erzählt dir von Richards Energie, lässt dich sie aber nicht fühlen. Das ist ein kleines Ärgernis.

Die Analyse, wie die Industrie von Richard profitierte, ist scharf und belegt. Das ist, wo dieser Film seinen Platz verdient. Es ist kein Tribut. Es ist ein Argument.

Queere Sichtbarkeit wächst überall. Serien wie Cleat Cute zeigen Hunger nach queeren Geschichten. Little Richard: I Am Everything gehört dazu — aber reicht weiter zurück. Die Wurzeln waren immer da.

Little Richard: I Am Everything läuft auf Max. Regie: Lisa Cortés. 97 Minuten. Schau wegen der Musik. Bleib wegen des Arguments. Das ist eines der ehrlichsten Dokumente der amerikanischen Kulturgeschichte — und Ehrlichkeit ist genau das, was diese Geschichte brauchte.

RR

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