Die Gruppengruppe meiner Freunde ist ein Desaster
Unsere Freundesgruppe hat einen Chat. Da passiert allerhand. Nur keine Verabredungen.
Wir haben eine Gruppengruppe. Mit sechs Schwulen. Sie heißt Der Klatsch-Express. Niemand weiß mehr warum.
Die App ist nie aus. Nie. Ich wurde heute Nacht um Viertel nach drei geweckt. Von sechzig Nachrichten. Über ein Kleid von Beyoncé.
Die festen Rollen
Jede Gruppe hat ihre Typen. Unsere auch.
Mark schickt jeden Morgen ein Guten-Morgen-Gif. Immer das gleiche. Eine tanzende Katze mit Sonnenbrille. Seit drei Jahren.
Tom antwortet nur mit Memes. Frag ihn etwas Ernsthaftes, und du bekommst ein Bild von Whitney Houston zurück. Mit dem Text And I-I-I.
Bas liest alles, sagt aber nie etwas. Bis du denkst: Er ist tot. Dann schreibt er um elf Uhr abends: haha. Zu einer Nachricht von vorletzer Woche.
Und dann ist da Patrick. Patrick schickt Sprachnachrichten. Vier Minuten lang. Über seine Einkäufe.
Eine Verabredung treffen
Manchmal wollen wir uns treffen. Das ist mutig. Es fängt immer gleich an.
Jemand schlägt ein Datum vor. Samstag der Zwölfte. Drei Leute reagieren mit einem Daumen. Zwei sagen nichts. Patrick schickt eine Sprachnachricht.
Dann kommt die zweite Runde. Mark kann doch nicht. Tom kann, aber erst ab neun. Bas liest die Nachricht und verschwindet.
Drei Tage später: neues Datum. Gleiches Spiel. Nur dass Patrick jetzt nicht kann und Mark doch.
Nach zwei Wochen geben wir auf. Wir verabreden uns, um uns zu verabreden. Das funktioniert auch nicht.
Der Klatsch
Aber eines funktioniert immer. Der Klatsch.
Jemand hat jemanden gesehen. Mit jemandem anders. In einer Kneipe. Wo sie nicht hätten sein dürfen.
Plötzlich reagiert jeder. Innerhalb von drei Minuten. Bas lebt noch. Patrick tippt. Mark hat eine Meinung.
Die Verabredung von vorletzer Woche? Vergessen. Das Geburtstagsgeschenk für Tom? Nicht bestellt. Aber wer mit wem nach Sanders Fest nach Hause gegangen ist? Das wissen wir genau.
Wir wissen sogar Dinge, die nie passiert sind. Die haben wir hinzugefügt. Der Spannung wegen.
Die stille Woche
Manchmal ist es still in der App. Eine Stunde lang. Dann werde ich nervös.
Ist etwas passiert? Haben sie eine neue App? Ohne mich?
Ich spähe heimlich, ob sie noch online gehen. Mark ja. Tom auch. Warum schreiben sie nicht?
Dann, endlich, eine Nachricht. Von Patrick. Eine Sprachnachricht. Fünf Minuten. Über ein Sonderangebot bei der Albert Heijn.
Ich habe noch nie so glücklich jemandem zugehört, der über Hühnchenbrust spricht.
Das Fazit
Wir sehen uns kaum noch. Aber wir chatten den ganzen Tag.
Vielleicht ist das Freundschaft jetzt. Sechs Männer, sechs Telefone, ein endloses Gespräch über nichts.
Und wenn wir uns dann endlich sehen? Dann schauen wir drei Minuten auf unser Telefon. Auf die Gruppengruppe.